100 Jahre Frauenwahlrecht (?)

Gedanken von Judith Hensler

Für das politische Wahlrecht haben Frauen vor 100 Jahren vehement gestritten. Sie kämpften für Teilhabe an Politik, Bildung und Wirtschaft. Sie riskierten gesellschaftliche Ausgrenzung, wirtschaftlichen Ruin und Gefängnis für ihre Ideale. Im Februar 1919 sprach Marie Juchacz als erste Frau im Deutschen Reichstag. Sie machte in ihrer Rede deutlich, dass die Aufhebung einer Benachteiligung der Frauen kein Geschenk der Männer ist, für das Dankbarkeit der Frauen zu erwarten wäre, sondern die selbstverständliche Abschaffung eines bisherigen Unrechts. Gleichzeitig spricht sie die Hoffnung aus, dass mit dem errungenen Recht und den Möglichkeiten der Demokratie nun für Frauen alle Wege offen stehen, die ihnen zustehende Gleichwertigkeit zu erlangen. Heute, 100 Jahre später, ist es Zeit für ein Resümee.

Gleichberechtigung – Was ist das eigentlich?

Männer und Frauen sind gleichberechtigt, so steht es in unserem Grundgesetz. Der Begriff „Gleichberechtigung“ ist jedoch wie auch die Begriffe „Liebe“ und „Freiheit“ eine individuelle Interpretation. Das, was wir darunter verstehen, steht in Zusammenhang mit dem, wie wir leben. Für eine westliche Frau in der Zeit um 1900 war die Gleichberechtigung der Zugang zu Bildung, zu Wahlen und zu größerer Berücksichtigung weiblicher Interessen in der Arbeitswelt. Die Frauen dieser Zeit lebten als Kind und junge Frau in der völligen Abhängigkeit vom Vater und später in der Abhängigkeit vom Ehemann. Sie fühlten sich, und sie waren auch, unmündig. Aus dieser Situation heraus entstand der Kampf um Bildung, Wahlrecht und bessere Arbeitsbedingungen. Betrachten wir unter diesen drei Aspekten unsere heutige Zeit, so wäre schon einiges erreicht. Wir dürfen wählen, gewählt werden und haben alle Möglichkeiten des Bildungszugangs. Allerdings in der wirtschaftlichen Gleichberechtigung klaffen jedoch nach wie vor große Lücken. Woran liegt das? Die Politik erlässt Gesetze um für Frauen und Männer Möglichkeiten und andere Rahmenbedingungen zu schaffen und Benachteiligungen auszugleichen. Damit diese Gesetze allerdings in der Realität wirksam werden, müssen sie von der Gesellschaft gelebt werden. An dieser Stelle entsteht die Lücke. Männer wie Frauen tun sich nach wie vor schwer mit dem Verständnis für Gleichberechtigung. Das hat Auswirkungen. Zum Beispiel in der Beurteilung der Frage, ob Frauen speziell gefördert werden müssen, wie durch eine Quote oder ob es reicht, dass das Gesetz eine Besetzung mit einer Frau ermöglicht. Es gibt für diese Fragestellung bedauerlicherweise auch keine Vorbilder. Die westliche Welt ist nach wie vor die am weitesten entwickelte. Statistisch betrachtet ist die Situation der Geschlechter dennoch alles andere als gleichberechtigt. Immer noch sind viel zu wenig Frauen in Verantwortung und Führungspositionen. Auf der anderen Seite zu wenig Männer in erzieherischen, pflegenden oder fürsorglichen Berufen. Eine riesige Lücke besteht in der Bezahlung der unterschiedlichen Bereiche. Die traditionellen Frauenberufe haben immer noch ein vergleichsweise niedriges Einkommensniveau. Und wie immer, Ausnahmen bestätigen diese Regel. Was aber ist der Grund, für dieses Ungleichgewicht? In den nachfolgenden Beiträgen werfe ich einen Blick auf mögliche Ursachen. Gerne möchte ich alle Leserinnen und Leser meiner Beiträge motivieren, mich bei meiner Suche nach den Gründen zu unterstützen. Ich bin gespannt auf eure Kommentare…

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1 Kommentar

  1. Das Frauenwahlrecht konnte Hitler zwar auch nicht verhindern, aber vielleicht blieben uns zukünftige Katastrophen erspart, wenn wir uns Männern mal das Wahlrecht entzögen … Die Hoffnung stirbt zuletzt))

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