Wie sicher ist heute erreichtes?

Lasst und diskutieren…

Ein Blick in die Geschichte zeigt, dass jedes errungene und erkämpfte Recht beständig verteidigt werden muss, da es immer Strömungen gibt, die gerne das Alte zurück haben möchten. Nach dem Motto „Früher war alles besser“… Vor 100 Jahren, als der Umbruch von der Monarchie zur Demokratie erfolgte, waren längst nicht alle Menschen vom neuen System überzeugt. Es war zunächst fast ein Versuch, mehr Freiheit und Mitsprache zu gewähren. Letztlich hat die Machtergreifung der NSDAP nur 15 Jahre später gezeigt, dass die Menschen in der Demokratie noch nicht angekommen waren. Sind wir heute in der Gleichberechtigung angekommen? 70 Jahre nach Absatz 2 des Artikel 3 des Grundgesetzes ist diese Frage nicht eindeutig mit ja zu beantworten. Das auch deshalb, weil die Definition, was Gleichberechtigung tatsächlich bedeutet, variiert. Ist es die Möglichkeit des Zugangs zu Bildung, Politik und Arbeit oder ist es die tatsächliche 50%tige Wahrnehmung der Möglichkeiten? Ist es die gleiche Bezahlung in tatsächlich gleicher beruflicher Position oder ist es eine Anpassung der Durchschnittseinkommen von Männern und Frauen und damit auch eine bessere Bezahlung typischer Frauenberufe? Ist es eine Angleichung der Geschlechter in nahezu gleiche Bedingungen oder eine gerechtere Berücksichtigung spezieller Charakteristika der Geschlechter? Diese Fragen sind noch nicht geklärt und damit ist die Selbstverständlichkeit von Gleichberechtigung nicht erreicht. Das bedeutet aber, dass die erkämpften Rechte fragil sind, da jederzeit Meinungen in der Gesellschaft entstehen können, die alles zurück werfen. Das ist im Übrigen ja nicht nur mit der Gleichberechtigung so, sondern auch mit Menschenrechten, Freiheit und Demokratieverständnis. Nichts ist wirklich sicher! Gerade in einer freien Gesellschaft, wo viele unterschiedliche Positionen in einem stetigen Austausch nebeneinander existieren, ist es wichtig am Ball zu bleiben und weitere Schritte auf dem Weg zur Gleichberechtigung einzufordern. Stillstand ist Rückschritt!

Behindert unser System die Gleichberechtigung?

Sind Frauen Verliererinnen?

Lasst und diskutieren…

In der Zeit um 1900 waren die Rollen von Mann und Frau klar getrennt. Der Mann hatte die Pflicht, das wirtschaftliche Überleben seiner Familie zu sichern. Die Aufgabe der Frau war es, ihm Kinder zu schenken, diese aufzuziehen und ihm den Haushalt zu führen. Es herrschte strikte Aufgabenteilung. Frauen hatten keinen Zugang zu Bildung, durften nicht wählen und arbeiteten wirklich nur dann, wenn das Geld des Mannes nicht zum Überleben reichte. Die Berufe waren Gouvernante, Lehrerin, Schneiderin oder Arbeiterin in einer Fabrik.  Eine allein stehende Frau konnte nur unter sehr schwierigen Bedingungen ohne Unterstützung ihrer Familie leben. Dass in dieser Zeit der Kampf um Gleichberechtigung und bessere Bedingungen für Frauen aufkam, wen mag es wundern…

Heute sieht das ganz anderes aus. Frauen können selbstverständlich das gesamte Bildungssystem nutzen und nahezu alle Berufe ergreifen… aber, Frauen verdienen im Durchschnitt weniger, haben weniger Rente und im Falle eines Kindes übernimmt der Großteil von ihnen aufgrund des wirtschaftlichen Ungleichgewichts die Versorgungsleistung. Warum werden Frauen schlechter bezahlt? Warum gehören die klassischen Frauenberufe zu den Berufsgruppen mit Niedriglohnniveau? Ein Grund könnte sein, dass das Wirtschaftssystem davon extrem profitiert. Unser Wirtschaftskonzept basiert darauf, Gewinne zu erzielen, Renditen zu bringen und das Geld zu mehren. Jede Produktion und jede Dienstleistung erfolgt um Gewinn zu machen. Auch der Einsatz der Arbeitskräfte muss gewinnbringend sein. Nun ist klar, wenn es Gewinner gibt, muss es irgendwo auch Verlierer geben. Deshalb befinden wir alle uns in unserem System in einem ständigen Wettkampf um die Gewinnerseite. Dennoch gibt es Verlierer, denn sonst wäre das System obsolet… Bedauerlicherweise tendieren Frauen dazu, sich selbst zurückzunehmen und ihre eigenen Bedürfnisse zu Gunsten anderer hintenan zu stellen. Den Kompromiss zu suchen, statt für den Gewinn zu kämpfen. Vielleicht eine Folge ihrer Erziehung. (siehe dazu den entsprechenden Blogeintrag) Dies Verhalten macht sie aber zu leichter Beute für die Gewinner des Systems, die Unternehmen, die Arbeitgeber. Oftmals mit dem Argument, dass verheiratete Frauen ja schon einen Mann haben, der mehr verdient… Da wirkt immer noch das alte Modell aus dem letzten Jahrhundert. Würden wir Morgen die gesamten Gehälter und Löhne der Frauen dem Niveau der Männer anpassen, das würde extreme Kosten verursachen und vermutlich fast den Untergang der Deutschen Wirtschaft bedeuten. Für den Staat hingegen würden die Steuereinnahmen steigen und das würde Geld für unser gesamtes Lebensumfeld bringen… Es lohnt sich also, darüber nachzudenken und dafür zu streiten!

Wie wirkt Religion in Bezug zur Gleichberechtigung?

Lasst uns diskutieren…

Adam bedeutet Mensch und was ist dann Eva?

Eva bedeutet Lebensspenderin. Schon mit den biblischen Namen wird die Frau auf ihre Mutterfunktion reduziert und der Mann als allumfassender Mensch bezeichnet. Für viele Menschen entsteht jedoch neben der elterlichen Erziehung und der Schule des Lebens im Allgemeinen auch durch die Religion ein innerer Kompass, der Glaube an göttliche Vorgaben. Dieser Kompass ist im Falle einer starken Gläubigkeit kaum überwindbar, da immer die göttliche Strafe im Hintergrund droht. Gottes Gesetze zu überschreiten, ist für einen streng gläubigen Menschen nahezu unmöglich.

Zynisch könnte dieser menschliche Kompass für Frauen als ein Teufelskreis bezeichnet werden. In den meisten Religionsschriften ist die Rolle der Frau klar definiert. Sie steht in jedem Falle unter dem Mann. Dies zeigt sich bis heute, auch in unserer durchaus modernen christlichen Kultur, immer noch durch die Besetzung der Leitungspositionen in der Kirche. Eine Päpstin ist noch in weiter Ferne. Andere Religionen sind noch stringenter in ihren geschlechtsspezifischen Auslegungen. Ein Glaube, der Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau propagiert, ist in unserer heutigen Welt nicht zu finden. Müssen deshalb alle Menschen Ungläubige werden, um in einer gleichberechtigten Welt leben zu können? Oder ist die Religion in der Lage, Anpassungen in Form von anderen Auslegungen der Texte vorzunehmen? Diese erforderlichen Veränderungen liegen in jedem Fall in Männerhand, denn in den Religionen bestimmen Männer nach wie vor die Richtung. Obschon auch in Religionsgemeinschaften Frauen bereits vieles geleistet und auch erreicht haben. Ich selbst tendiere dazu, daran zu glauben, dass es möglich ist…

Welchen Einfluss hat Erziehung auf unser Verständnis von Gleichberechtigung?

Haben Sie sich auch schon mal gefragt, warum eine Frau eigentlich ein Kind bekommt, wenn sie es dann in die Krippe gibt? Und haben sie sich diese Frage auch in Bezug auf den dazugehörigen Mann gestellt?
Lasst uns diskutieren…

Lauten die Antworten bei Frage 1 ja und bei Frage 2 nein?
Der Pädagoge Pestalozzi sagte einst: „Erziehung ist Vorbild und Liebe.“ Betrachten wir diese Erkenntnis mit dem Fokus auf die Fragestellung der Gleichberechtigung, so ist die Vorbildfunktion der Elterngeneration von entscheidender Bedeutung. Es ist erwiesen, dass Kinder in den ersten Lebensjahren durch Sehen und Nachahmung lernen. Das, was die Eltern, Großeltern, aber auch Personen im engeren Umfeld den Kindern vorleben, prägt sich ein, wie ein innerer Kompass. Das „Mütterchen-Spiel“, der Puppenwagen, die kleine Küche, kleine Bügelstationen und auf der anderen Seite Autos, Kräne und Eisenbahn leisten sicherlich in Kombination mit entsprechender Kleidung auch einen Beitrag für das kindliche Rollenverständnis. Dieses in der Kindheit entstehende Rollenbild schlummert in uns wie ein Gewissen. Alle späteren Handlungen als Erwachsene messen wir an diesem Kompass aus der Kindheit. Wir können durchaus anders handeln, weil uns der Verstand sagt, dass diese Rolle nicht logisch herzuleiten ist, aber das tun wir dann mit dem Gefühl, dass es außergewöhnlich, anders und definitiv nicht selbstverständlich ist. Das aber ist fatal, denn dann bleibt die Gleichberechtigung die Ausnahme, das Ungewöhnliche und nicht Selbstverständliche.

Dieser, aus den Vorbildern entstehende, erzieherische Kreislauf, der sich von Generation zu Generation weitergibt, ist nur sehr langsam und nur mit bewussten Entscheidungen zu anderen Handlungen veränderbar. Was wir in dieser Erziehungsschleife brauchen, sind leuchtende Vorbilder. Frauen und Männer, die ihre Rollen in Frage stellen, den eigenen Weg suchen und im besten Falle sogar finden. Das kann aber nur realisiert werden, wenn alle Rahmenbedingungen, die freie Wahl des Lebensweges zulassen. Ist das bereits erreicht?

Was sagt die Biologie zur Gleichberechtigung?

Sind wir nicht alle ein bisschen divers?
Lasst uns diskutieren…

In der Zeit um 1900 spielten biologische Argumente eine große Rolle im Rollenverständnis von Mann und Frau. Die natürliche Bestimmung der Geburt, die kleineren Gehirne und die geringere körperliche Belastbarkeit waren Argumente für die niedrigere Stellung von Frauen. Es widersprach quasi schon der Natur, sie als gleichwertig zu betrachten. Heute ist wissenschaftlich bewiesen, dass es keine exakte Teilung in männlich und weiblich gibt. Das Geschlecht setzt sich zusammen aus immer neuen Mischungen von Hormonen und Genen. Dadurch gibt es kleine und große, starke und schwache, weibliche und männliche Männer wie Frauen. Das dritte Geschlecht „Divers“ hat längst Einzug gehalten in unser Leben und es stellt sich die Frage, ob wir nicht eigentlich alle dazugehören, da niemand wirklich eindeutig ist. Die Biologen gehen inzwischen sogar von noch mehr als drei Geschlechtern aus. Ganz eindeutig ist die Fähigkeit zur Geburt aber biologisch nicht gleichzusetzen mit Fürsorglichkeit. Ebenso wenig ist bewiesen, dass die Unfähigkeit zur Geburt per se zur Ermangelung der Fürsorge führt. In der Tierwelt zeigen sich deshalb auch alle Varianten bei der Aufzucht des Nachwuchses. Beide Eltern zu gleichen Teilen, mehr oder nur Mutter und mehr oder nur Vater. Mit der Biologie und der Natur lässt sich eine Ungleichbehandlung von Männern und Frauen schon lange nicht mehr rechtfertigen. Warum aber hält sich dann der Mythos der geschlechtsspezifischen Charakteristika von Mann und Frau so konsequent?

100 Jahre Frauenwahlrecht (?)

Gedanken von Judith Hensler

Für das politische Wahlrecht haben Frauen vor 100 Jahren vehement gestritten. Sie kämpften für Teilhabe an Politik, Bildung und Wirtschaft. Sie riskierten gesellschaftliche Ausgrenzung, wirtschaftlichen Ruin und Gefängnis für ihre Ideale. Im Februar 1919 sprach Marie Juchacz als erste Frau im Deutschen Reichstag. Sie machte in ihrer Rede deutlich, dass die Aufhebung einer Benachteiligung der Frauen kein Geschenk der Männer ist, für das Dankbarkeit der Frauen zu erwarten wäre, sondern die selbstverständliche Abschaffung eines bisherigen Unrechts. Gleichzeitig spricht sie die Hoffnung aus, dass mit dem errungenen Recht und den Möglichkeiten der Demokratie nun für Frauen alle Wege offen stehen, die ihnen zustehende Gleichwertigkeit zu erlangen. Heute, 100 Jahre später, ist es Zeit für ein Resümee.

Gleichberechtigung – Was ist das eigentlich?

Männer und Frauen sind gleichberechtigt, so steht es in unserem Grundgesetz. Der Begriff „Gleichberechtigung“ ist jedoch wie auch die Begriffe „Liebe“ und „Freiheit“ eine individuelle Interpretation. Das, was wir darunter verstehen, steht in Zusammenhang mit dem, wie wir leben. Für eine westliche Frau in der Zeit um 1900 war die Gleichberechtigung der Zugang zu Bildung, zu Wahlen und zu größerer Berücksichtigung weiblicher Interessen in der Arbeitswelt. Die Frauen dieser Zeit lebten als Kind und junge Frau in der völligen Abhängigkeit vom Vater und später in der Abhängigkeit vom Ehemann. Sie fühlten sich, und sie waren auch, unmündig. Aus dieser Situation heraus entstand der Kampf um Bildung, Wahlrecht und bessere Arbeitsbedingungen. Betrachten wir unter diesen drei Aspekten unsere heutige Zeit, so wäre schon einiges erreicht. Wir dürfen wählen, gewählt werden und haben alle Möglichkeiten des Bildungszugangs. Allerdings in der wirtschaftlichen Gleichberechtigung klaffen jedoch nach wie vor große Lücken. Woran liegt das? Die Politik erlässt Gesetze um für Frauen und Männer Möglichkeiten und andere Rahmenbedingungen zu schaffen und Benachteiligungen auszugleichen. Damit diese Gesetze allerdings in der Realität wirksam werden, müssen sie von der Gesellschaft gelebt werden. An dieser Stelle entsteht die Lücke. Männer wie Frauen tun sich nach wie vor schwer mit dem Verständnis für Gleichberechtigung. Das hat Auswirkungen. Zum Beispiel in der Beurteilung der Frage, ob Frauen speziell gefördert werden müssen, wie durch eine Quote oder ob es reicht, dass das Gesetz eine Besetzung mit einer Frau ermöglicht. Es gibt für diese Fragestellung bedauerlicherweise auch keine Vorbilder. Die westliche Welt ist nach wie vor die am weitesten entwickelte. Statistisch betrachtet ist die Situation der Geschlechter dennoch alles andere als gleichberechtigt. Immer noch sind viel zu wenig Frauen in Verantwortung und Führungspositionen. Auf der anderen Seite zu wenig Männer in erzieherischen, pflegenden oder fürsorglichen Berufen. Eine riesige Lücke besteht in der Bezahlung der unterschiedlichen Bereiche. Die traditionellen Frauenberufe haben immer noch ein vergleichsweise niedriges Einkommensniveau. Und wie immer, Ausnahmen bestätigen diese Regel. Was aber ist der Grund, für dieses Ungleichgewicht? In den nachfolgenden Beiträgen werfe ich einen Blick auf mögliche Ursachen. Gerne möchte ich alle Leserinnen und Leser meiner Beiträge motivieren, mich bei meiner Suche nach den Gründen zu unterstützen. Ich bin gespannt auf eure Kommentare…